Timon Tesche wird von vielen Menschen getragen
Iserlohn, 22.09.2008, Ralf Tiemann
Finanzierung über Spenden
Timon Tesche wird von vielen Menschen getragen
Iserlohn, 22.09.2008, Ralf Tiemann
Iserlohn. Seit zwei Jahren arbeitet Timon Tesche als Jugendreferent in der Versöhnungskirchengemeinde. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Dass sein Gehalt aber zum größten Teil durch Spenden finanziert wird, ist hingegen nicht nur ungewöhnlich, sondern für den Kirchenkreis auch überaus selten.
Insgesamt hat er eine 80-prozentige Stelle - eine 25-prozentige beim Kirchenkreis, die aus dem Haushalt des Kirchenkreises bezahlt wird, und eine 55-prozentige bei der Iserlohner Innenstadt-Gemeinde. Und die wird komplett aus Spendengeldern finanziert.
„Für unseren Kirchenkreis ist das sehr außergewöhnlich", sagt Superintendent Albert Henz. Was auch daran liegt, dass der Kirchenkreis bemüht ist, als guter Arbeitgeber aufzutreten und Stellen einzurichten, die von der Kirchensteuer finanziert werden und somit eine gewisse Sicherheit bieten. Dennoch sei es vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der stetig sinkenden Kirchensteuern unerlässlich, nicht nur die Ausgabenseite zu reduzieren, sondern auch die Einnahmenseite zu erhöhen. Neben dem freiwiligen Kirchgeld, so Henz, das derzeit bereits rund 140 000 Euro im Jahr ausmache, sei eine erhöhte Spendenakquirierung ein weiteres Standbein. Rund zehn Prozent der Einnahmen stamme schon jetzt aus anderen Quellen als der Steuer.
Die Idee, die hinter dem speziellen Fall Timon Tesche steckt, ist ebenso einfach wie praktikabel: Es fällt den Menschen leichter, Geld zu spenden, wenn sie wissen, dass es für eine ganz konkrete Sache eingesetzt wird, die unterstützenswert ist, als wenn das Geld ganz allgemein in irgendwelchen Kassen verschwindet. Im Falle von Timon Tesche funktioniert das bisher fabelhaft. „Ich weiß nicht, wer spendet, aber ich weiß, dass genug gespendet wird", sagt er. Dass geheim bleibt, wer die Geldgeber sind, hat natürlich den Grund, dass niemand von außen Einfluss auf die Ausrichtung seiner Arbeit nehmen soll.
Eingestellt wurde der 35-Jährige mit der Vorgabe, nicht nur das Angebot für die Jugend der Gemeinde weiter voran zu treiben, sondern auch, um das Lutherhaus mitten in der Stadt zu öffnen und so auch kirchenferne Jugendliche anzuziehen und gleichzeitig in die Stadt zu strahlen. Der „Checkpoint", den er im Lutherhaus eröffnet hat, hat an den offenen Mittwochen den Charakter eines Jugendzentrums, in dem sich muslimische und christliche Jugendliche mittlerweile die Waage halten. Timon Tesche leistet hier weniger Gemeindearbeit als integrative Jugendarbeit für die Stadt.
Die Pfarrer der Gemeinde, Andres Michael Kuhn und Udo Schulte, bestätigen das. So, wie sie in der Gemeindearbeit zwischen „Öffnung" und „Verdichtung" sowohl offene Türen für alle Menschen schaffen, als auch denen, die es wünschen, intensive geistliche Erfahrungen ermöglichen, soll auch Timon Tesche „öffnen" und „verdichten". Dazu gehört es, einerseits über das Jugend-Café auch türkisch-stämmige und kirchenferne Jugendliche anzuziehen, andererseits aber auch mehr Spiritualität in die Jugendarbeit der Gemeinde zu tragen.
Für beide Seiten scheint Timon Tesche genau der Richtige zu sein. Nach seinem Studium als Sozial- und Religionspädagoge hat er Erfahrungen in der Straffälligenhilfe und in der offenen Jugendarbeit im Ruhrgebiet gemacht. Auch wenn er eher nett rüberkommt - mit den bis zu 70 Jugendlichen, die untereinander auch mal einen Streit vom Zaun brechen, wird er spielend fertig. Und auf der spriritueller Seite war es ihm selbst sehr wichtig, in einer Gemeinde zu arbeiten, die von der geistlichen Gemeindeerneuerung geprägt ist.
So wichtig, dass er sowohl die Unsicherheiten des Finanzierungsmodells als auch den daraus entstehenden Druck gern in Kauf nahm. Denn ein besonderer Druck entsteht natürlich, weil sich Timon Tesche als Familienvater von einem Ein-Jahres-Vertrag zum nächsten hangelt. Und weil seine Stelle von den Spendern nur solange unterstützt wird, wie sie unterstützenswert ist. Stärker als andere Arbeitnehmer ist er also ständig gefordert, gute Arbeit zu leisten.
„Gerade das empfinde ich als positiv, weil es mich ständig in Bewegung hält", sagt er. „Außerdem habe ich durch das Modell viele Rückmeldungen. Die Gemeinde wünscht sich sehr, dass die Jugendarbeit gut funktioniert. Ich habe wirklich das Gefühl, von sehr vielen Menschen getragen zu werden. Und das ist ein gutes Gefühl."
Wenn Sie die Arbeit unterstützen wollen, wenden Sie sich bitte an Pfr. Udo Schulte,
weitere Infos hier
Jugendcafé Checkpoint
